DIRECT ACTION - EIN ANSATZ / AN IDEA
SICHER IST DER TITEL VORBELASTET, NICHT UNBEDINGT ABGEDROSCHEN ALLERDINGS … WAS ICH SPANNEND AN IHM FINDE IM ZUSAMMENHANG MIT PERFORMANCE IST DER GEDANKE EINER WÖRTLICH GENOMMENEN ‘DIREKTEN HANDLUNG’ … IM ZUSAMMENHANG ZU DEN ÜBERLEGUNGEN DER BENENNBARKEIT EINER PERFORMANCEKUNST BALANCIERT ER:
… IN ANLEHNUNG AN EINE ART HANDLUNG DIE UNMITTELBAR / UNVERMITTELT / UNGESCHÖNT / UNTERWEGS / ERSTMALIG / WAHRHAFTIG / (IRGENDWIE POETISCH GESEHEN) ‘ECHT’ SEIN KÖNNTE … EINE HANDLUNG DIE EINEM KONZEPT FOLGT / EINEM GEDANKEN VORAB ODER DIE EIN KONZEPT ENTWICKELT WÄHREND SIE STATTFINDET / DIE ETWAS TUT UM ZU SEHEN WAS DANN PASSIERT / DIE EINGREIFT / DIE VORSÄTZLICH IST UM ZU SEIN … DIE DEN PROZESS DES TUNS MITDENKT / MITTRANSPORTIERT UND UM SEINE NOTWENDIGKEIT WEISS … DIE NICHT IN ERSTER LINIE FÜR DIE AUFFÜHRUNG ENTWICKELT IST / DIE NICHT AUF EINER BÜHNE ODER IN EINER BÜHNENSITUATION STATTFINDEN MUSS / DIE MÖGLICHERWEISE DEN TÄGLICHEN PROZESS DERART CAMOUFLIERT DASS SIE GAR NICHT FÜR SICH ERKENNBAR IST
… IN ABGRENZUNG ZU EINER STILISTISCHEN / GESPIELTEN / THEATRAL INSZENIERTEN / VORHER BEREITS GEDACHTEN UND EINSTUDIERTEN / WIEDERHOLBAREN / SPEKTAKULÄREN / KÖRPERBETONTEN / EXOTISCHEN / KRASSEN INSZENIERUNG FÜR PUBLIKUM … IN ABGRENZUNG ZUM LEIDEN MÜSSEN / ZUM ZWANGHAFTEN NACKTSEIN / ZUM FEIERN DES KÜNSTLERS UND SEINEM GESCHUNDENEN LEIB / ZUM GENIUS DES KÜNSTLERS ÜBERHAUPT … IN ABGRENZUNG ZUR GROSSEN GESTE / ZU MÄCHTIGEN SYMBOLEN / ZUM LAUTEN GEBAHREN / ZUM WELTSCHMERZ UND ZUM TIEFEN BETROFFENSEIN
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SURE THERE IS A LOT OF STUFF THAT STARTS TO VIBRATE USING THE TERM ‘DIRECT ACTION’ BUT IT DEFINITELY IS NOT OLDISH OR DUSTY … WHAT I FIND QUITE INTERESTING IN RELATION TO PERFORMANCE ART IS THE IDEA OF TAKING IT LITERALLY AND THINKING ABOUT A DIRECTLY PERFORMED ACTION … IN RELATION TO EARLIER THOUGHTS ON HOW TO (RE-)NAME PERFORMANCE ART OF THIS KIND THE TERM BALANCES BETWEEN:
… POINTING TOWARDS A PRACTICE THAT COULD BE IMMEDIATE / INTUITIVE / INCIDENTAL / IN PASSING / FIRST-TIME / TRUE / (POETICALLY) ‘GENUINE’ … A PRACTICE THAT GOES WITH A CONCEPT / THAT IS BASED ON AN IDEA / THAT IS DONE TO SEE WHAT RESULTS FROM IT / THAT INTERVENES / THAT IN THE FIRST PLACE IS DONE JUST FOR DOING IT … THAT ALSO KNOWS ABOUT ITS ACT-OF-DOING / THAT TRANSPORTS IT AND ITS NECESSITY … A PRACTICE THAT IS IN FIRST PLACE NOT DEVELOPED FOR PRESENTATION / THAT DOES NOT NEED A STAGE OR SIMILAR SITUATION / THAT MIGHT CAMOUFLAGE THE EVERY-DAY TO AN EXTEND THAT IT MIGHT NOT BE NOTICED AT ALL
… POINTING AWAY FROM A STYLISTIC / ACTED / THEATRICAL STAGED / ALREADY AFORETHOUGHT AND REHEARSED / REPEATABLE / SPECTACULAR / BODY-FOCUSED / EXOTIC / DRAMATIC PRODUCTION FOR AUDIENCE … POINTING AWAY FROM THE NEED TO SUFFER / FROM OBSESSIVE NAKEDNESS / FROM CELEBRATING THE ARTIST AND HIS OR HER MALTREATED BODY / AWAY FROM THE ARTISTIC GENIUS IN GENERAL … POINTING AWAY FROM BIG GESTURES / TREMENDOUS SYMBOLISM / LOUDNESS / WORLD-WEARINESS AND THE DEEP EMOTIONS
PROBLEMATIK DES BENENNENS Problems of performance art – or why part of this genre should be renamed
”Die Performance ist noch schlechter als ihr Ruf” (hjm, ehemaliger Performancekünstler)
“Viele meiner Freunde sind Künstler, ich begleite sie oft zu so genannten Performance Veranstaltungen. Ich finde das lächerlich und langweilig, aber ich traue mich einfach nicht, nein zu sagen, wenn man mich dazu einlädt.” (Sinngemäss zitiert nach Annabel, Schweizer Frauenzeitschrift, zum Thema “Lüge”)
I think that much of the suffering I had in contemporary art was due to so called performances. I dropped into some of them, once in a while I saw sth good, but the remaining 95% ´was bullshit. Ok, in museums and exhibitions you also find a lot of silly things, but normally you can get off easily - just walk out the door. Performances are frequently going on in closed spaces, so it is more difficult to flee.
In English, the word “performance” can mean much more than in German, where it is more or less restricted to performances in visual art. So there can be a certain confusion as the English word can mean “Auftritt, Aufführung” (theater, dance performance) as well as “Leistung”.
There are performance professions – theatre, dance, music (especially singers and soloists), circus, modeling. These jobs mean to perform – “auftreten” – to be on stage (you wouldn’t think, but it is important which shoes a musician wears on stage).
There are professions needing “performance skills”: orators (politics, science / research); writers when reading their books in public. Up to now, never had a bad writer’s performance (except bad texts), while some researchers made me suffer as much as performance artists (and politicians are a drag anyway) .
Performed visual art also has, among others, an aspect of body being a picture, a body-space-relation or whatsoever – so maybe many of the artperformers just think “I have a body, I just put myself in the corner, speak toneless, so this is a performance”, without considering that it is an art to put a body in a corner and speak toneless. Then there is the blood and pain mania as well as the being heavy with meaning “bedeutungsschwanger”. On top, recently, performance art has become more like a circus show (Marina Abramovic should get herself hired at Circus Knie).
I am no performance artist and never considered my self as such. When sb asks me, whether I am a performance artist, I feel insulted (as if sb asked me “Are you half-witted/ silly / bare of talents?”).
As I work with language, I do consider that language is originally SPOKEN, It s more like a writer reading her own stuff, though I am not a writer. What I am doing could as well be done by sb else – I am not the art work and I am not becoming a picture, the requested material is voice, which could be sb else’s voice or a tape recorder. What I am doing, is classically called “Lesung” - lecture.
For others, I would propose sth like “conceptual gesture”, “minimal action”. The term “direct action” should also be dropped, it was a political mouvement in the early 20th century (http://de.wikipedia.org/wiki/Direkte_Aktion), and in France, a radical anarchistic group, including murder in its activities.
Body of Work
Bin ich nur ein Künstler, wenn ich als solcher wahrgenommen werde?
Im 18. Jahrhundert noch als „Handwerkskünstler“ zwischen Kopierprozessen operierend und in Abhängigkeit und Auftrag seines Mäzens handelnd, entwickelt sich ab der Renaissance das Verständnis einer individuellen Autorschaft in der Kunst. In den Salons, sowie weiteren regelmäßigen, immer mehr öffentlich zugänglichen Ausstellungsräumen tritt zum einen jene geforderte Autorschaft als freie, rein genialistisch gedachte Kunstproduktion zu Tage, wie sie gleichzeitig, gerade durch die neu geschaffene, breite Öffentlichkeit von den Künstlern eine neuartige Reaktion abverlangt. Die neue Sichtbarkeit fordert zugleich eine erhöhte Präsenz, eine Form der Darstellung als eine Art von Selbstinszenierung ein, für welche dann wiederum die Öffentlichkeit als Multiplikator steht.
Von hier an ist die Kunstgeschichte die Geschichte großer Persönlichkeiten und markanter Individualitäten. Der Mythos liegt in der Person, nicht in der Kunst.
Angekommen im 21.Jahrhundert ist das höfische Mäzenatentum in der Form eines international agierenden Kunstmarkt wiederauferstanden, welcher unterstützt von Galerien und Kuratoren der kapitalistischen Wertoptimierung anheim gefallen ist. Kunst ist Ware und der Künstler als ihr Produzent bedarf eines Image. Eines klaren, griffigen und erinnerungsfähigen Konzeptes, welches sich besser vermitteln/vermarkten lässt, als eine differenzierte Persönlichkeit oder gar komplexer künstlerischer Konzeptionen. Es scheint, dass es zunehmend einer größeren Konzeption seiner selbst ALS Künstler bedarf, als einer Konzeption in der Kunst.
Als Bühnen solcher Inszenierungen lassen sich vor allem Interviews, Dokumentationen und Porträtsendungen identifizieren. Jene Formate, sowohl produziert für die Kulturmagazine der Fernsehsender, wie ebenfalls für die Videochannels musealer Internetpräsenzen vermitteln zwischen Künstlerpersönlichkeit und Betrachterpublikum und scheinen damit gleichzeitig einem Bedürfnis nachzukommen. Das Bedürfnis formuliert sich als ein „Blick hinter die Kulissen“, ein Einblick in Kunstproduktion und deren Prozesse und stellt dabei eine medial vermittelte Annäherung an den Mythos des Kunstschaffen und des Kunstschaffenden dar.
Der Künstler ist ein Mann.
Hierbei lässt sich eine Übermacht an männlicher Präsenz verzeichnen. In unzähligen Interviews und Dokumentationen präsentieren sich männliche Künstler bzw. werden präsentiert. Obschon sich die weibliche Position in der Kunst, nicht allein durch Emanzipationsbewegungen und Genderdebatten “gefestigt” hat und das ehemals “klassische” Beziehungsgeflecht von weiblicher Muse und/oder Modell zu männlich schaffendem Blick aufgelöst ist, lässt sich im sichtbaren und von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Kunstbetrieb eine deutliche männliche Übermacht erkennen.
Ist der Umkehrschluss daraus, das sich männliche Künstler wirkungsvoller darzustellen vermögen bzw. darstellen lassen? Sind sie (als medial vermitteltes Bild) interessanter?
Recherche
Als Untersuchungsmaterial rücken diese Interviews und Dokumentationen in den Fokus des Interesse des Projektes. Hier wird künstlerische Aussage versprachlicht und gleichzeitig dargestellt.
Die Frage die hier virulent erscheint, ist nicht mehr die nach den möglichen, bewussten oder unbewussten Inszenierungsstrategien der Künstler, sondern vielmehr nach den Strategien in der Inszenierung für ein Publikum.
Wie stellt man einen Künstler dar? Ebenso wie das Verhalten vor der Kamera folgen und formen die gewählten Bildkadrierungen, Zooms, Zwischenschnitte, Off-Kommentare und Hintergrundmusiken eine Vorstellung von einem Mythos, einem sehr bestimmtem Bild des kreativen Menschen bzw. des kreativen Mannes.
Grundlage von Body of Work sind öffentlich zugängliche (hier spielt das Portal YouTube eine entscheidende Rolle, ebenso wie neuerdings eingerichtete Videochannels verschiedener Museen, wie z.B. der Tate Modern oder dem San Francisco Museum of Modern Art) Interview- und Dokumentationssequenzen männlicher Künstler aus den letzten 50 Jahren.
Das Augenmerk in der Auswahl liegt zum einen in dem Verhältnis des Künstlers zum Medium Kamera. Neben der sprachlichen Ebene von Wortwahl, Kontext und Duktus liegt der Fokus vor allem auf dem körperliche Habitus.
Was passiert mit dem Körper, wenn er über das redet, was ihn ästhetisch, aber in Folge dessen auch sozial und philosophisch angeht? Was bewirkt die Aufmerksamkeit des Blicks der Kamera auf sie, in ihrem Sprechen und in ihrem Habitus? Wie stellen sich jene Künstler in ihrer Rolle als Künstler dar? Zum anderen liegt das Augenmerk auf der Seite der medialen Inszenierung.
Wie ist der Bildausschnitt gewählt, wann wird geschnitten, wie reagiert die Kamera auf das gesagte und gezeigte? Wie inszeniert die Medienmaschinerie sich selbst durch die Bilder die es produziert?
Jede Form der Darstellung wird hierbei zugleich gelesen als eine Inszenierung des Mediums, wie auch als Selbstdarstellung, einer Inszenierung des Künstler als seiner selbst.
Kopieren
Ausgewählte Sequenzen dieses Materials werden einem Kopierprozess unterzogen. In einem leeren, und neutral ausgeleuchteten Raum werden die Sequenzen erneut aufgezeichnet. Sie werden von mir selbst originalgetreu nachgestellt. Körperhaltungen, Positionierungen zur Kamera und Bewegungen im Raum wie in Beziehung zur Kamera entsprechen den Vorlagen. Ebenso wird der genaue Wortlaut, ebenso wie Pausen, Betonungen und Duktus imitiert. Der einzelnen Künstler, die einzelnen Aussage und Inszenierung ist diesem Sinne nicht mehr wichtig, ebenso wie seine Identifizierung unerheblich wird.
Es wird keinem festgeschriebenen Script nachgegangen, vielmehr ergibt sich die Komposition aus den Begebenheiten des kopierten Materials auf den Ebenen von Bild und Ton. Kompositionsprinzip sind nicht die inhaltlichen Aussagen. Es geht nicht darum, ein homogenes Bild mit einem konstanten, logischen Erzählfluss zu erzeugen. Ausschlaggebender Faktor der Komposition sind die Bilder, hierbei besonders der Blick aus dem Bild, wie die Haltung und Positionierung im Bild, sowie insbesondere der Klang der Sprache, geprägt von Pausen und Betonungen.
In dem Zusammenspiel der verschiedenen kopierten Haltungen und angeeigneten Sprachkonzepten geht es um eine Dopplung der Inszenierungsstrategien als eine Art Analyse, welche als eine visuell-akustische Choreographie den kopierenden Körper bespielt.
Für Direct Action 2012 wird das Grundmaterial der ursprünglich dreikanaligen Videoinstallation Body of Work in das Setting einer Live-Performance überführt.
von Anke Becker
Tegel Drone
Flugzeug Start- und Landegeräusche vom Chor der Kulturen der Welt gesungen.
Ob es einem gefällt oder nicht, das Dröhnen der Flugzeuge bei Start und Landung ist ohne Zweifel eine markante Eigenschaft des Flughafen Tegel. Mit seiner Schließung verschwinden diese Geräusche. Wir haben die Klänge der Flugschneise aufgezeichnet. Anschließend wurden sie in eine Partitur transskribiert. Ein Chor singt das Stück.
Umsetzung und Notensatz von Barbara Morgenstern und Philipp Neumann
Video und Postproduktion Rolf Pilarsky
Vielen Dank an den Chor der Kulturen der Welt, Gaby Frank, Diana McCarty, Jörg Pfeiffer
POSTOST V
Seltsamer Weise ziehen Menschen intuitiv nicht in Betracht, dass Worte aus einem Mund heraus kommen, und direkt im naheliegendsten Ohr wieder verschwinden. Der Mensch, der neben einem Selbstgesprächer steht, sucht intuitiv nach einem Adressaten und schließt dabei automatisch den Sprecher selber aus. Für den Menschen ist der Adressat ist nicht auffindbar. Vielmehr fliegen die Worte durch den Raum und jeder könnte angesprochen sein. Der anwesende Mensch ist irritiert, wenn er sich selbst nicht sofort ausschließen darf. Er fühlt sich belästigt und erklärt den anderen für verrückt. So hat er wieder seine Ruhe.
Ich werde bei der Direct Action ein Selbstgepräch führen.
Ich laufe seit mehr als 4 Monaten in Etappen alleine auf einer geraden Linie Richtung Osten. Da kommt man schon mit sich ins Gespräch über dies und das.
Ich habe das Medium des Live Hörbuchs erfunden, um meine Selbstgepräche teilen zu können.
Ich habe auch schon vorher Selbstgespräche geführt. Ich finde Selbstgespräche sehr gut. Ich denke Selbstgespräche sollten sich auch im öffentlichen Raum etablieren dürfen, von der Gesellschaft akzeptiert - als völlig gängige Erscheinung im Straßenbild.
Ich versuche, nicht immer nur dann mit mir zu reden, wenn es gerade keiner sieht. Bei der Anwesenheit anderer Menschen geht es erstmal ganz einfach, in dem ich mir ein Mobilfunktelefon ans Ohr halte oder in ein Headset rede. Da ist noch nicht so radikal. Und ein wenig feige. Andereseits belästige ich den Rest der Welt auch nicht. Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit.
Wenn die Gesellschaft ehrlich wäre und zugeben würde, dass Menschen sich selbst als Gesprächspartner nutzen, dann könnte das gesellschaftliche Leben ganz normal damit leben. Das wäre gut.
Sehe eigentlich nur ich das so? Oder ist ein Selbstgespräch doch zu intim für den öffentlichen Raum? Aus irgendeinem Grund gibt es das ja schließlich nicht. Zumindest nicht offiziell.
Hm. Ich weiß es nicht. Ich fänds gut, wenn jeder, der gerade mit sich was klären muss, das auch tun darf. Vielleicht müsste man aber schon auf Inhalte achten.
Naja. Aber diese Klausel gilt ja auch für ganz normale Gespräche und Telefongespräche im öffentlichen Raum. Man sollte die Gesellschaft auch nicht mit seiner Intimität tyrannisieren.
Ja - und darf sich dann jemand ungefragt einschalten?
Hm. Ich weiß nicht. Nein. Wohl eher nicht.
Hat man ein Recht auf Selbstgespräch?
Naja - es ist halt ein Gespräch und es sollte eben so behandelt werden wie andere Gespräche auch. Ich find das eigentlich gar nicht so kompliziert. Is doch ganz einfach.
Ich denk ja mal, das wird Jahrhunderte dauern, bis es soweit ist.
Ja. Und?
Pffz … ach was weiß ich.
Also hm doch. Ich glaub, ich weiß es.
A la recherche du temps perdu
Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal fielen mir die Augen, wenn kaum die Kerze ausgelöscht war, so schnell zu, dass ich keine Zeit mehr hatte zu denken: Jetzt schlafe ich ein. Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

In der Performance ‘A la recherche du temps perdu’ nehmen wir den Code wörtlich und lesen Marcel Prousts Roman in Maschinensprache. Während den acht Stunden eines Arbeitstages spielen wir Computer.
Der Roman wird mit Hilfe von Informationsverarbeitungstechniken dargestellt. Es ist ein Prozess vom Analogen ins Digitale und wieder zurück: Der Ablauf ist im vorliegenden Handbuch beschrieben.
Eine ASCII-Version von Marcel Prousts ‘A la recherche du temps perdu’ wird in Nullen und Einsen aufgeteilt und von zwei Darstellern vorgelesen.
Die dritte Person ist die CPU (Central Processing Unit): Sie interpretiert mit Hilfe einer Zuordnungstabelle die Nullen und Einsen, schneidet den entsprechenden Buchstaben aus Papier aus und übergibt ihn an Display, der den Buchstaben an die Wand klebt.
Während acht Stunden können ca. 250 Zeichen abgearbeitet werden.
In diesem Prozess entsteht das Kunstwerk und stellt Fragen nach Digital und Analog, Arbeit und Kunst, Zeit und Schönheit.
Konzept: Karl Heinz Jeron und Valie Djordjevic
Wir benutzen die elektronischen Versionen der ersten 3 Bände von ‘A la recherche du temps perdu’ aus dem Projekt Gutenberg.
Die Auführungsrechte unterliegen der GNU General Public License.Credits:
Die erste Performance fand am 19. November 2005 in der allgirls gallery in Berlin statt.
Teilnehmerinnen: True: Valie Djordjevic. False: Karl Heinz Jeron, CPU: Heissam el-Wardany, Display: Dani Djordjevic
Die zweite Performance fand am 20. März 2006 bei SPACE, London, als Teil von xxxxx event series statt.
Teilnehmerinnen: True: Valie Djordjevic, False: Yair Wallach, CPU: Karl Heinz Jeron, Display: Elvina Flower
Die dritte Performance fand am 10. September 2006 im Blumberg, Wies, während des paraflows Festivals statt.
Teilnehmerinnen: True: Verena Brückner, False: Florian Kmet, CPU: Thomas Hörl, Display: Peter Kozek
EINE PROBLEMATIK DES BENENNENS / THE DIFFICULTY OF SPECIFICATION
EINE PROBLEMATIK DES BENENNENS
WIE KANN EINE PERFORMANCE KUNST BENANNT WERDEN, DIE SICH BISHER VON EINER “KLASSISCHEN PERFORMANCE” ZUNÄCHST NUR ABGRENZT? EINE PERFORMANCE DIE NICHT-THEATRAL, NICHT-EXPRESSIV, NICHT-DRAMATISCH UND NICHT-KÖRPERFOKUSSIERT IST? EINE PERFORMANCE DIE SICH MIT ATTRIBUTEN WIE KONZEPTUELL, STILL, BEILÄUFIG, EXPERIMENTELL, UNBEMERKT, SACHLICH, FORMAL UMSCHREIBEN LÄSST UND DIE OFTMALS NICHT MAL FÜR EINE AUFFÜHRUNG MIT ODER VOR PUBLIKUM GEDACHT WORDEN IST?
ZUNÄCHST EINIGE GESAMMELTEN STICHPUNKTE UND WORTGRUPPEN, DIE IM ZUGE ERSTER GEMEINSAMER ÜBERLEGUNGEN AUFGEBRACHT WORDEN SIND:
• NON-EXPRESSIVE PERFORMANCE
• MINIMAL ACTION
• NON-DRAMATIC PERFORMATIVE PRACTICE
• CONCEPTUAL GESTURES
• DAILY PRACTICE
• FORMAL ACTION
• MINOR MOVEMENTS
• …
THE DIFFICULTY OF SPECIFICATION
HOW TO CALL A “PERFORMANCE PRACTICE” UP TO NOW NOT REALLY DISTINGUISHED FROM “CLASSICAL” PERFORMANCE ART, IF THERE IS SUCH A THING? A PERFORMANCE ART WHICH IS NOT THEATRAL, NOT EXPRESSIVE, NOT DRAMATICAL AND NOT FOCUSED ON THE BODY? A PERFORMANCE TO BE PARAPHRASED AS CONCEPTUAL, SILENT, INCIDENTAL, EXPERIMENTAL, UNNOTICED, OBJECTIVE, SOMETIMES NOT EVEN CONCEIVED FOR PUBLIC PERFORMANCE.
TO START WITH, THE RESULTS OF A FIRST BRAINSTORMING:
• NON-EXPRESSIVE PERFORMANCE
• MINIMAL ACTION
• NON-DRAMATIC PERFORMATIVE PRACTICE
• CONCEPTUAL GESTURES
• DAILY PRACTICE
• FORMAL ACTION
• MINOR MOVEMENTS
• …



